Musiklehrerblog für Primar- und Sekundarstufe

23. Oktober 2026 Allgemein

1stClassRock - Reloaded!

Es ist mittlerweile über 20 Jahre her, dass ich die Idee hatte, ein Musikklassen-Konzept mit Bandinstrumenten zu entwickeln – analog zur Bläser- oder Streicherklasse. Und im Laufe der Jahre wuchs die Gemeinde der Gleichgesinnten.

Wo ich anfangs noch Grabenkämpfe ausfechten musste („E-Gitarre im Musikunterricht? Niemals!“) und bereitwillig mit offenem Visier kämpfte, ist die Idee, Bandinstrumente in den Musikunterricht zu integrieren, mittlerweile längst etabliert.

Das Konzept von 1stClassRock wird nach wie vor an unglaublich vielen Schulen eingesetzt und hat sich über viele Jahre bewährt. Die grundlegende Idee ist dabei so aktuell wie eh und je: Kinder sollen möglichst früh gemeinsam Musik machen können – unabhängig von ihren instrumentalen Vorkenntnissen.

Gleichzeitig haben sich sowohl die populäre Musik als auch die didaktischen und methodischen Möglichkeiten weiterentwickelt. Der inputorientierte Unterricht hat zunehmend ausgedient. Stattdessen überlegen wir (endlich!), wie wir kompetenz-, könnens- und vor allem kindorientiert arbeiten können.

Genau hier setzt der neue Band-Generator an: Er versteht sich nicht als Ersatz für die bewährten 1stClassRock-Materialien, sondern als Ergänzung, die zusätzliche Möglichkeiten eröffnet – insbesondere beim individuellen Differenzieren und beim eigenständigen Arrangieren durch die Kinder.

Hinzu kommt, dass sich die populäre Musik in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat. Taylor Swift, Katy Perry, Mark Forster – kurzum: Viele Stars der Charts setzen in ihren Songs verstärkt auf wiederkehrende Harmoniefolgen, sogenannte Turnarounds. Und das ist gut für uns!

Neue Publikationen sind allerdings schwierig: Was heute die Charts anführt, kann morgen schon niemand mehr hören wollen. Dazu kommen erhebliche urheberrechtliche Hürden, die die Veröffentlichung aktueller Arrangements erschweren.

Nachdem ich in letzter Zeit sehr viel Zeit in die Entwicklung digitaler Lernprogramme investiert habe, war es nun endlich an der Zeit, auch einen Band-Generator online zu stellen!

Das Prinzip

Die Grundidee entspricht der von 1stClassRock. Die Besetzung wurde seinerzeit aus gutem Grund so gewählt und hat sich über viele Jahre bewährt:

- Gitarre 1 (Chords)
- Gitarre 2 (Single Notes)
- Keyboard 1 (Chords)
- Keyboard 2 (Single Notes)
- Bass
- Schlagzeug
- Percussion

Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein Song soll gespielt werden. Akkorde eingeben – und der Generator erstellt ein Arrangement.

Dieses Arrangement ist zunächst einmal voll besetzt. Und das ist Absicht! Die Kinder sollen von Anfang an lernen, selbst zu arrangieren. Denn die Kunst liegt oft im Weglassen: Was kann weg? Wer pausiert wann? Welche Instrumente spielen zusammen – und welche setzen bewusst aus?

Differenzierung? Aber bitte!

Der eigentliche Clou liegt in den vielfältigen Möglichkeiten zur Differenzierung. Für jedes Instrument stehen zunächst drei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen zur Verfügung. Innerhalb dieser Levels gibt es wiederum verschiedene Patterns und Spielweisen.

Und damit das Ganze wirklich individuell wird, lässt sich jede einzelne Instrumentalstimme bearbeiten und so an die Fähigkeiten und Fertigkeiten der jeweiligen Bandmitglieder anpassen.

Damit das Ergebnis auch direkt im Unterricht eingesetzt werden kann, lässt sich jede Stimme als PDF ausgeben – mit Notation im bewährten Boomwhacker-Farbcode und passenden Griffbildern, ganz wie bei 1stClassRock.

Und der Rhythmus?

Weil es so gut dazu passte, habe ich auch die Rhythmusspiele aus dem Musikbaumeister angepasst und integriert.

Aus meinen Workshops weiß ich, dass sich manche Kolleginnen und Kollegen mit der Rhythmussprache nach Kodály ein wenig schwertun. Deshalb kann alternativ meine „Groove-Sprache“ gewählt werden. Sie folgt demselben logischen Prinzip, verwendet aber andere Silben.

Und weil wir gerade bei der Rhythmussprache sind, noch eine kleine Randbemerkung:

Dass Sechzehntel in verschiedenen Ländern mal „ti-ka“ und mal „ti-ri“ heißen, widerspricht eigentlich der wunderbaren Systematik der Kodály-Rhythmussprache. Kodály selbst verwendete für Sechzehntel „ri-ri“ – und in Ungarn ist das bis heute so. Logisch und konsequent!

Weil diese Silben für uns allerdings nicht ganz einfach auszusprechen sind, wurden sie bei der Übertragung in andere Sprachen angepasst. Das funktioniert zwar in der Praxis, hat aber – quasi ganz nebenbei – einen Teil der ursprünglichen Logik über Bord geworfen.

Über 20 Jahre nach den ersten Gehversuchen von 1stClassRock ist die Grundidee also noch immer dieselbe: Kinder sollen möglichst früh gemeinsam Musik machen können – unabhängig davon, welche instrumentalen Vorkenntnisse sie mitbringen. Nur die Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen, sind inzwischen erheblich vielfältiger geworden.

Und genau darum geht es beim neuen Band-Generator: nicht um perfekte Arrangements auf Knopfdruck, sondern darum, Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Musik selbst zu gestalten.