Musikklassen

Musikklassen

Musikklassen
Die „höchste Form“ des Klassenmusizierens liegt in den Modellen

Bläserklasse
Streicherklasse und vor allem
Bandklasse (auch Rockklasse) begründet.

Darüber hinaus existieren Konzeptfragmente für

– Blockflötenklasse sowie
– Mundharmonika- und Melodikaklasse.

Auch hier scheiden sich (wie immer) die Geister … Die Modelle beinhalten – am amerikanischen Modell orientiert – einen komplexen Instrumentallehrgang, welcher von Anfang an im Ensemblespiel umgesetzt wird.

Ausgehend von gruppendynamischen Lernprozessen, gezielter instrumentaler Förderung und dem Wissen von gewaltpräventiver sowie intelligenzfördernder Funktion, wird eine Schulklasse mit – je nach Modell – dem Instrumentarium eines Blasorchesters bzw. eines Streicherensembles ausgestattet. Abschreckend wirkt zunächst das Problem der Anschaffung; 20.000 € sind hier keine Seltenheit.

Dennoch sind diese Modelle finanzierbar; das Wachstum spricht für sich – und es sind nicht immer „reiche“ Schulen, welche sich diese Sonderform „leisten“, gerade in Brennpunktschulen wird das Modell äußerst erfolgreich umgesetzt.

Die Eltern zahlen eine Mietgebühr für das zweijährige Modell. Hier differieren die Beiträge. Die Höhe hängt vor allem von der „weiteren Finanzierung“ (wie Spenden, Zuschüsse etc.) ab. In der Regel sind allerdings Bläser- und Streicherklassen nach vier Jahren (unter Berücksichtigung von Normalverzinsung) bezahlt!

Eine Prämisse dieser Sonderformen liegt im dreistündigen Musikunterricht, welcher in Instrumental- und Ensembleunterricht gegliedert ist. Hier unterscheidet man zwei Modelle: entweder unterrichtet ein Lehrer alle Instrumente (was durchaus gut funktionieren kann!) oder es werden zusätzliche Instrumentallehrer auf Stundenbasis bzw. über einen Werkvertrag „eingekauft“. Oft ist es möglich, dass der Lehrer für Klarinette auch Saxophon unterrichtet bzw. der Trompetenlehrer auch Euphonien und Tuba unterrichtet.

Die Lehrwerke sind derart aufgebaut, dass die einzelnen Übungen für das Orchester konzipiert sind. So lernt jeder Instrumentalist zunächst ein neues Stück und probt es in der nächsten Ensembleprobe mit allen.

Ein sehr wichtiger Aspekt liegt in der Identifikation. Die Qualität von Bläser- und Streicherklassen liegt in der Tatsache begründet, dass jeder Schüler „sein eigenes“ Instrument erhält, welches er mit nach Hause nimmt, um dort zu üben. Somit entwickeln sich die Schüler sehr schnell und werden „Musiker“ („Ich bin auch Trompeter …“, ein Fünfklässler, der zwei Wochen zuvor in der Bläserklasse „sein“ Instrument erhielt, zu einem Jazzmusiker … „Wir Posaunisten sind halt anders …“, ungefähr eine Woche später … „Ich hau Sie gleich auch mal so!“, eine Flötistin, deren Flöte gerade vom Instrumentenbauer repariert wurde – er benutzte hierfür einen Hammer …)

Bläser- und Streicherklassen sind ein Phänomen, welches sich nur schwer erklären lässt. Kollegen, welche nach diesem Modell unterrichten sind in der Regel (völlig zu Recht!) äußerst euphorisch. Der Musikunterricht erlangt eine ganz neue (und eigentlich „auf der Hand liegende“) Dimension:

Als Musiklehrer arbeitet man plötzlich mit Musikern.

Kollegen anderer Fächer berichten sehr oft davon, dass „Bläserklässler“ sich „irgendwie positiv“ entwickeln – wie z.B. in der Lernstruktur, in der Organisation und vor allem im Sozialverhalten.

Bläser- und Streicherklässler werden in der Regel nach der ersten Stunde zu Bläsern und Streichern. Dementsprechend kommt es natürlich auch vor, dass nicht geübt, dass in der Orchesterprobe gestört oder dass Noten vergessen werden. Weiterhin ist es völlig normal, dass manche Musiker weiter sind, einige noch „hintendran“ sind. Dennoch sind all diese Elemente plötzlich „verzeihlicher“, denn sie sind normal. (Auch bei Profis!)

Bläser- und Streicherklassen sind ursprünglich für Klassenstufe 5 konzipiert, sind allerdings schon ab Klassenstufe 3 durchführbar. Der Vollständigkeit halber sei noch der Hauptkritikpunkt einiger Kollegen aufgeführt (interessanter Weise in der Regel selbst Bläser): Die Gefahr eines falsch gelernten bzw. falsch gelehrten Ansatzes. Diese Kritik mag nicht ganz unberechtigt sein, allerdings befindet sie sich in „bester Gesellschaft“ – schließlich hat mindestens jeder zweite Bläser von seinem ersten Lehrer einen völlig falschen Ansatz gelernt, was erst der dritte Lehrer – natürlich viel zu spät – bemerkt hat …