Generell

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Generell
Um gezielt mit der Stimme arbeiten zu können, sollten regelmäßig spielerische Stimmbildungsübungen durchgeführt werden, um gewisse Aspekte der Stimmpflege bzw. Stimmerziehung wie

– Haltungsübungen

– Atmungsübungen

– Übungen zum Stimmeinsatz

– Übungen zur Resonanz

– Übungen zur Artikulation

zu ritualisieren und somit zu normalisieren, so dass Stimmbildung zu einem Unterrichtsprinzip in der Arbeit mit Stimme wird, denn kleinere regelmäßige Übungszeiten von wenigen Minuten sind wesentlich effektiver als eine große vom Gegenstand losgelöste Unterrichtseinheit.

Stimmbildung ist mittlerweile aufgrund von Fernsehsendungen wie „Popstars“ oder „Deutschland sucht den Superstar“, in denen geschulte Atmung und geschulter Gesang einen hohen Stellenwert haben, bei Schülern von – zumindest einer interessierter – Bedeutung (womit der Kreis zur „Lebenswelt der Schüler“ geschlossen ist …) und viele messen ihnen eine gewisse Akzeptanz bei.

Allerdings mangelt es oft – wie bei so vielen Chorsängern – am Sinnverständnis. Da wird oft stundenlang rauf und runter gejuhjujuhjaht, gehechelt und gepftpftpftpft – (zu) oft jedoch rein aktionistisch, schlicht und einfach weil „man es halt macht“ …

Was sich in der Chorpraxis bzw. in der solistischen Stimmbildung bewährt hat (hier wollen die Sänger (in der Regel) unbedingt „schön“ und „richtig“ singen), muss nicht zwingend seine Rechtfertigung im regulären Musikunterricht finden!

Zwar berücksichtigen mittlerweile nahezu alle Musiklehrwerke den Aspekt der Stimmbildung, lassen ihn aber (meist) in der Isolation stehen. Dies hat oft zur Folge, dass Übungen der Stimmpflege für viele Schüler aufgesetzt, künstlich und oft peinlich wirken; ihnen fehlt der Bezug zum Ganzen!

Von daher sollte im Unterricht unbedingt bedacht werden:

– Stimmbildung braucht anfangs eine knappe Erklärung bzw. Einführung; Sinn und Zweck müssen verstanden werden und somit transparent sein!

Es muss – unter Berücksichtung des Alters und des Entwicklungsstandes der Schüler – klar sein, welche Bereiche des Aspektes „Stimme“ trainiert bzw. verbessert werden sollen; dies wirkt den „Abnutzungserscheinungen“ von Einsingübungen entgegen!

– Stimmbildung sollte anfangs nach Möglichkeit oft vom Werk ausgehend oder auf das Werk zielend durchgeführt werden!

Die angestrebten Übungen sollten „spielerisch“ – so „unaufgesetzt“ wie möglich und dennoch so zielstrebig wie nötig – gestaltet werden.

– In geübten Klassen können Stimmbildungsübungen auch im Lernzirkel/mithilfe von Lernkarteien organisiert werden!

Was allerdings voraussetzt, dass den Schülern Sinn und Ziel der Übungen geläufig ist. Der Lehrer sollte hierbei trotzdem kontrollierend-helfend agieren.

Womit keinesfalls die Bedeutung solcher „Klassiker“ wie „Stimmicals“ (Uli Führe) in Frage gestellt werden soll! Solche Bücher sind durchaus empfehlenswert; sie sind schüleradäquat, automotivierend und kompetent durchdacht!

Allerdings sollten sie erst dann eingesetzt werden, wenn Stimmbildung zu einem (relativ) festen Bestandteil des Aspektes „Stimme im Unterricht“ gemacht wurde.

Prinzipiell sollte beim Singen darauf geachtet werden, dass der Musiksaal frisch durchgelüftet ist und eine „gesund-entspannte“ Atmosphäre herrscht.

Je lockerer und fröhlicher umso effektiver! Es muss dem Musiklehrer gelingen, gegenseitiges Vertrauen (manchen Schülern sind gewisse Übungen peinlich!) aufzubauen – und dies geschieht am einfachsten durch Humor!

– Stimmbildung soll auf die Vermischung von Brust- und Kopfregister hinarbeiten!

Die menschliche Stimme kann zwischen verschiedenen Lautstärken und Klangfarben variieren.

Beim Brustregister wird die gesamte Masse der Stimmfalten in Schwingung versetzt; es umfasst die tiefsten Lagen einer Singstimme (der Klang ist kraftvoll, von dunkler Färbung und entwickelt die größte Lautstärke) und ist nach oben hin begrenzt, da beim Singen der höchsten Töne die Stimmlippen maximal gespannt sind – der Ton wirkt hart und gepresst.

Beim Kopfregister hingegen werden nur die Stimmbänder durch ausströmenden Atem in Schwingung versetzt. Die Stimmlippen bleiben entspannt und schwingen nicht mit. Die Klangfarbe der Kopfstimme ist zart, leicht und weich. Das Kopfregister wird als Pianoregister eingesetzt.

Stimmbildung soll darauf hinarbeiten, Kopf- und Brustregister zu vermischen um das so genannte Einregister (auch Registerausgleich oder „mixed voice”) zu erhalten, was dann erreicht ist, wenn alle Muskeln zusammenarbeiten und somit die Schwingungsvorgänge der einzelnen Register fließend ineinander übergehen, so dass in den tiefsten Tönen noch Kopf- und in den höchsten Tönen noch anteilmäßig Bruststimme vorhanden ist.

Der Registerausgleich ist von Natur aus vorhanden! Allerdings verkümmert er zunehmend und das Gefühl für die Kopfstimme geht verloren, was vor allem durch die Imitation von Popsängern und Kinderliedermachern, die in der Regel für Kinder viel zu tief singen (!), geschieht.

– Stimmbildung sollte stets auf den natürlichen Stimmumfang der Schüler zielen!

In ungeübten Klassen sieht man sich immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass bereits Töne ab c’’ als „zu hoch“ empfunden werden – weil sie eben mit Bruststimme „erpresst“ werden. Um wieder ein Gefühl für die Kopfstimme wachsen zu lassen, ist es daher empfehlenswert, Glissando- (vom tiefsten bis zum höchsten Ton) oder Sirenenübungen durchzuführen. Allerdings sollten diese „piano“ gesungen werden, um ein „Rutschen“ in die Kopfstimme zu erzielen.

– Die Gegenbewegung nimmt die Angst vor hohen Tönen!

Dieses den meisten Sängern bekannte Phänomen sollte unbedingt auch Einzug in die Stimmbildungsarbeit nehmen! Hohe Töne erreicht man leichter, wenn man sich eine Gegenbewegung denkt (oder sie anfangs mit Gesten unterstreicht). Gleiches gilt für die Arbeit mit tiefen Tönen (mit umgekehrter Gegenbewegung).

Generell sollte man darauf achten, den natürlichen Stimmumfang der Schüler (zumindest in Ansätzen) wieder herzustellen. Von dieser Prämisse ausgehend, sollten die ausgewählten Stücke derart transponiert werden, dass das Singen im Bereich unter c’ so oft wie möglich vermieden und (zumindest) d’’ (biologisch können Grundschüler noch ein gutes Stück höher …) wieder erreicht wird.