Der alte Grabenkrieg …

Der alte Grabenkrieg …

Der alte Grabenkrieg

Ganz untypisch für meine Seite einmal ein bisschen Schulpolitik.

Nachdem mein lieber Freund Sebastian mich hier in seinen Blog zitiert (böse Zungen sagen „angeht“) und ich mal wieder mich ein wenig (böse Zungen sagen: „laut und hemdsärmelig“ die Dissonanz zwischen Grundschularbeit und dem, was an manchen (böse Zungen sagen „viele“ und ganz böse unterstellen mir sogar, dass ich „fast alle“ meinen würde) Gymnasien geschieht herausgestellt habe (habe ich schon das Wort „Polemik“ verwendet?), hier mein öffentlicher Brief:

[edit: Liebe Kolleginnen aus NRW (und ich bin bereit, hier jedes weitere Bundesland einzufügen), mir war das bis heute nicht klar, was ihr da leistet. Ich wusste weder, dass ihr Dialoge führt, dass ihr miteinander beratschlagt, dass ihr euch trefft, dass Gutachten und Akten *überhaupt gelesen* werden! Respekt! Ihr braucht gar nicht weiter zu lesen, denn an euch geht das nicht …]

[edit II: Liebe Kolleginnen aus NRW (und ich bin bereit, hier jedes weitere Bundesland einzufügen), mir war das bis heute nicht klar, dass das, was da von *einigen* geleistet wird auch nur von *einigen* geleistet wird. Von daher – Entwarnung; es brennt hüben wohl ähnlich wie drüben …]

 

Mein lieber Freund Sebastian,

seit über zehn Jahren gehen wir viele Strecken gemeinsam und weit über zehn Jahren entdecken wir unglaublich viele Parallelen – wir beide unterrichten (leidenschaftlich) Musik, wir beide sind absolute Nerds (Du noch ein bisserl mehr als ich) und wir beide bilden Lehrer aus – und selbst am Studienseminar gibt es unglaublich viele Dinge, die der eine so erlebt wie der andere.

Im Grunde unterscheiden sich unserer Arbeitsfelder nur marginal – und doch in Teilbereichen grundsätzlich.

Ich habe mit Interesse Deinen Beitrag zum Thema Sitzenbleiben gelesen, genau so wie ich auch mit vielen anderen Meinungen diesbezüglich auseinander gesetzt habe. Ich habe mich über die Hattie-Studie, die ich bislang nur in Grundzügen kenne, gefreut und darin das wieder gefunden, was wir in der Grundschule schon längere Zeit beobachten. Und es war auch mal wieder interessant zu lesen, wie diese Studie von Deiner Seite gelesen wird: „Siehst Du? Offener Unterricht ist falsch – wir müssen frontal arbeiten“ …

Aber der Reihe nach. Kurzer Exkurs ins 16. Jahrhundert zu Herrn Paracelsus, der da wusste: „Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht‘s, dass ein Ding kein Gift sei.“

Jetzt müsst „ihr euch am Gymnasium“ also mit dem Sitzenbleiben beschäftigen und schreit auf, dass das schlimm sei, wohin das denn führen soll, dass man ja vertiefen müsse – Du hast ja einige Argumente genannt. Aus Sicht eines Lehrers, der zehn Jahre an der Hauptschule war und jetzt im zehnten Jahr an der Grundschule ist:

Versetzen aus pädagogischen Gründen ist und war wahrscheinlich schon immer an Regelschulen ein Standard.

Warum? Weil es nicht anders geht – für keinen der Beteiligten. Fangen wir in der Grundschule an: Welche Sinn soll es denn machen, wen ein nichtdeutschsprachiges Kind aufgrund ungenügender Leistungen in Deutsch mit 9 Jahren im ersten Schuljahr sitzt? Welchen Sinn soll es denn machen, wenn ein Flüchtlingskind, welches u. Umständen noch nie beschult wurde (ja, das gibt es auch) seinen Fähigkeiten und nicht seiner Reife entsprechend eingeschult wird? Welchen Sinn soll es denn machen, ein Kind mit diagnostizierter Lese-Rechtschreibschwäche (ja, das kann man diagnostizieren) so lange sitzen bleiben lässt, bis es Dehnungen und Doppelkonsonanten beherrscht und warum um alles in der Welt soll man ein Kind mit Dyskalkulie so lange im zweiten Schuljahr sitzen bleiben lassen, bis die Malreihen halt auswendig gelernt sind?

In der Grundschule wird in solchen (und auch in vielen anderen Fällen) versetzt, weil Kinder ihrer Reife entsprechend zusammen gehören sollen. Das wussten schon die Reformpädagogen und vor allem Frau Montessori legte darauf größten Wert. Es ist auch so, dass das ab dem 7. Schuljahr nicht mehr so auffällig ist und es ist auch bestimmt so, dass es in einigen Fällen hilfreich sein kann, wenn jemand wiederholt – vorausgesetzt es zeichnet sich ab, dass dies sinnvoll ist. In der Grundschule herrschen Prinzipien der Diagnostik und der damit einhergehenden individualisierten Förderung vor. Und in guten Grundschulen weiß man auch von Stärkenförderung und legt darauf ein Hauptaugenmerk. Der Fall, dass ein Kind partout nicht lesen lernt und es dann von heute auf morgen einfach so kann ist nahezu ein Standard bei uns. Da braucht man Geduld und Spucke. Aber das wissen wir – vielleicht sind auch deshalb viele Kollegen in der GS so entspannt.

In LeDy, der Mitgliederzeitschrift des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (Kennt man am Gymnasium solche Verbände? Setzt man sich mit denen auseinander?) gibt es immer wieder ein Profil von Menschen mit Legasthenie im Beruf. In der aktuellen Ausgabe eine Tierärztin (ja, das sind die mit Abitur und Studium). Das schöne an diesem Profil ist, dass die Leute einen Fragebogen ausfüllen und dieser so abgedruckt wird, wie die Leute schreiben. Äußerst interessant und vor allem – Mut machend.

Was weiß man an den meisten Gymnasien denn davon? Wir beobachten die Kinder, wir fördern, wir erstellen Gutachten und geben diese weiter. Wir suchen den Kontakt zum Kindergarten, zu Frühförderzentren, zu Therapeuten – und im Idealfall sogar zu Vereinen. Wie viele solcher Gutachten hast Du schon gelesen? Was weißt Du genau von Deiner Lerngruppe, was weißt Du von Deinen einzelnen Schülern und davon, was im Kindergarten und in der GS geleistet, versucht, diagnostiziert und angewandt wurde? Vielleicht weißt Du da viel von – aber dieses Zitat hier hören wir zu oft: „Diese Akten lese ich nicht – bei mir fängt alles wieder von vorne an.“

Es ist noch immer so, dass man viel zu vielen Kollegen an den weiterführenden Schulen erklären muss, was ein Nachteilsausgleich ist – das weiß kaum jemand! Es interessiert nicht. Da werden Deutschnoten wegen diagnostizierter LRS ausgesetzt, um dies in Englisch zu ignorieren und schlechte Noten wegen der Schriftsprache zu verteilen. Da werden Mathetests geschrieben, die von Textaufgaben nur so strotzen und die Lehrer wissen noch nicht einmal, wer da was vielleicht nicht lesen kann.

Ich schreib‘s mal wieder dazu – der Vollständigkeit halber: In Art.4 Abs. 1 der UN-Behindertenrechtskonvention heißt es: „Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die volle Verwirklichung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderung ohne jede Diskriminierung aufgrund von Behinderungen zu gewährleisten und zu fördern.“

In Artikel 24 (Bildung) heißt es weiterhin:

(1) Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integrativen [inklusives] Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel,

  • die menschlichen Möglichkeiten sowie das Bewusstsein der Würde und das Selbstwertgefühl des Menschen voll zur Entfaltung zu bringen und die Achtung vor den Menschenrechten, den Grundfreiheiten und der menschlichen Vielfalt zu stärken;
  • Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen zu lassen;
  • Menschen mit Behinderungen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen.

(2) Bei der Verwirklichung dieses Rechts stellen die Vertragsstaaten sicher, dass

  • Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden;
  • Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen [inklusiven], hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben;
  • angemessene Vorkehrungen für die Bedürfnisse des Einzelnen getroffen werden;
  • Menschen mit Behinderungen innerhalb des allgemeinen Bildungssystems die notwendige Unterstützung geleistet wird, um ihre erfolgreiche Bildung zu erleichtern;
  • in Übereinstimmung mit dem Ziel der vollständigen Integration [Inklusion] wirksame individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen in einem Umfeld, das die bestmögliche schulische und soziale Entwicklung gestattet, angeboten werden.

(3) Die Vertragsstaaten ermöglichen Menschen mit Behinderungen, lebenspraktische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen zu erwerben, um ihre volle und gleichberechtigte Teilhabe an der Bildung und als Mitglieder der Gemeinschaft zu erleichtern. Zu diesem Zweck ergreifen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen; unter anderem

  • erleichtern die das Erlernen von Brailleschrift, alternativer Schrift, ergänzenden und alternativen Formen, Mitteln und Formaten der Kommunikation, den Erwerb von Orientierungs- und Mobilitätsfertigkeiten sowie die Unterstützung durch andere Menschen mit Behinderungen und das Mentoring;
  • erleichtern sie das Erlernen der Gebärdensprache und die Förderung der sprachlichen Identität der Gehörlosen;
  • stellen sie sicher, dass blinden, gehörlosen oder taubblinden Menschen, insbesondere Kindern, Bildung in den Sprachen und Kommunikationsformen und mit den Kommunikationsmitteln, die für den Einzelnen am besten geeignet sind, sowie in einem Umfeld vermittelt wird, das die bestmögliche schulische und soziale Entwicklung gestattet.

(4) Um zur Verwirklichung dieses Rechts beizutragen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen zur Einstellung von Lehrkräften, einschließlich solcher mit Behinderungen, die in Gebärdensprache oder Brailleschrift ausgebildet sind, und zur Schulung von Fachkräften sowie Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf allen Ebenen des Bildungswesens. Diese Schulung schließt die Schärfung des Bewusstseins für Behinderungen und die Verwendung geeigneter ergänzender und alternativer Formen, Mittel und Formate der Kommunikation sowie pädagogische Verfahren und Materialien zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen ein.

  • Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen haben. Zu diesem Zweck stellen die Vertragsstaaten sicher, dass für Menschen mit Behinderungen angemessene Vorkehrungen getroffen werden.

Das ist – mit Verlaub – unsere Dienstvorschrift. Da brauchen wir nicht rumzujammern, das ist festgesetzt. Und es ist gut so!

Inklusion ist – wie jedes differenzierte Arbeiten – unsere Pflicht. Und es wird einfach Zeit, dass sich das an allen Schulen herumspricht. Die Zeiten der Synchrondidaktik müssen endlich vorbei sein. Es widerspricht doch jedem gesunden Menschenverstand, was da in manchen Lehrerköpfen vor sich geht, dass man eine Gruppe von Kindern oder Jugendlichen aufsucht, einen Punkt X festlegt und nun versucht, alle gleichmäßig nach X+1 zu schieben. Nichts anderes wird aber tagtäglich noch immer an zahlreichen Schulen getan. Und wer nicht mitkommt, wird ausgesondert. Vom Gymnasium in die Real- oder Hauptschule (sollen die sich doch darum kümmern, nicht mein Problem, für uns halt zu schwach) oder am besten gleich auf die Sonderschule.

Welcher Sinn soll denn dahinter stecken, Menschen mit Beeinträchtigung zusammenzupferchen und dann zu glauben, dass das schon liefe. Ich habe erst gestern wieder Inklusionsstunden gesehen und da gibt es Kinder, von denen ich mir in gar keiner Weise vorstellen kann und will, dass sie jemals „sonderbeschult“ werden müssen – das muss nicht sein. Und warum lief das so gut? Weil da eine junge Lehrerin war, die ihre Gruppe kennt, die weiß, wie wer arbeitet und entsprechend differenziert unterrichtet. Das geht. Das können die an der Grundschule.

Zu meiner Zeit haben alle aus einer Gasse zusammen gespielt. Und da war auch ein Kind dabei, das anders aussah als wir. Das Gesicht war ein bisschen breiter, die Zunge war ein bisschen länger – aber das war doch auch schon alles! Es ist unter heutigen Gesichtspunkten doch ein Skandal, dass man erst heutzutage (!) Menschen mit Trisomie 21 ein Studium zutraut. Sieht anders aus als wir, muss ja blöd sein. Glücklicher Weise lehren uns immer mehr Menschen, dass – wie so oft – eines mit dem anderen nicht zu tun hat.

Gehen wir zurück zu unserer Arbeit. Habt ihr an eurem Gymnasium Menschen mit Behinderung? Gibt es individuelle Förderpläne? Was macht ihr mit LRS- oder Dykalkulie-Kandidaten oder ist es vielmehr so, dass die ja da eine „Zementfünf“ (der Begriff ist aus Deinem Blog – solch ein despektierlicher Begriff  kann nie aus der GS kommen) steht und von daher die Menschen eh nicht für die Universität geeignet sind? Welche Rolle spielen denn Verzögerungen in der Entwicklung? Pubertiert lange, ist blöd, bleibt sitzen, bleibt zweites Mal sitzen, fliegt. Du glaubst gar nicht, wie viele Jugendliche ich an der Hauptschule erleben musste, die vom Gymnasium flogen, weil sie die geforderten Leistungen nicht brachten. Und wir sind so was von stolz darauf, dass wir die, die es konnten, dann doch wieder auf die weiterführenden Schulen bringen konnten.

Jemand mit LRS ist nicht blöd. Das ist nachgewiesen. Und wenn jemand LRS hat, dann hat der auch Probleme, einen Text in Erdkunde zu lesen – aber da haben wir (hallo – Nerdbruder?) Möglichkeiten genug, das Lesen zu umgehen. Ich habe einen äußerst intelligenten Kollegen, Geschichts- und Geographielehrer, der sich hervorragend in seinen Fächern auskennt und dem man stundenlang zuhören kann. Er hat mir erzählt, dass er (außer in der Schule und im Studium, wenn es Pflicht war) noch nie (!) ein Buch gelesen hat und das auch nicht tun wird. Sein Wissen hat er ausschließlich aus Dokumentationsfilmen (die er nahezu ausschließlich schaut), aus Radiosendungen und aus Podcasts.

Und weil ich hier gerade so schön rumschimpfe setze ich noch eins drauf: Originalzitat vieler (!!!) Kollegen von Dir: „Mir ist das egal, was an der Grundschule gemacht wurde – ich muss eh von vorne anfangen, da kann ich eigentlich gar nichts voraussetzen.“ Da haue ich jetzt mal rein: Macht ihr im Musikunterricht eine Lernstandserhebung bzw. eine -analyse? Wenn ich eine Klasse zwei Jahre lang hatte, dann können die Kinder solmisieren, sie können Rhythmussprache und selbständig Rhythmen aufschreiben. Manche richtig gut, manche noch nicht so richtig gut. Ich könnte Dir erzählen, wer was warum und wie kann und versuche auch so viel wie möglich davon ins Zeugnis zu schreiben. Meinst Du denn, dass das hier irgendwen interessiert? Glaubst Du denn im Ernst, dass da irgendwer drauf aufbaut und den Fähigkeiten der Kinder entsprechend weiter fördert? Wenn es dumm läuft, kommen sie in eine Chorklasse und müssen dann zwei Jahre lang alles über sich ergehen lassen, was sie schon längst können – aber das interessiert da keinen. Wenn es ganz dumm läuft, müssen sie auswendig lernen, wie viele Sinfonien Mozart schrieb und in welchem Verwandtschaftsverhältnis er zu Carl Maria von Weber steht – und meinen angebahnten Musikalsierungsprozess kannst Du in die Tonne treten.

Jetzt habt ihr also die Sitzenbleiberdiskussion und seid traurig. Wir (und damit meine ich Grund- *und* Hauptschullehrer) lehnen uns da zurück und lächeln, weil wir das schon seit sehr vielen Jahren so handhaben, wie es dem Kind am dienlichsten ist. Vielleicht, weil wir schon immer Pflichtschule waren und wir das Ernst nehmen.

Ich kann mich wirklich erst dann in den Dialog begeben, wenn ich weiß, dass er auf Augenhöhe stattfindet – und das tut er nicht. Noch lange nicht. Klar lacht ihr über uns „Grundschulmäuse“ und das tun wir ja auch. Natürlich macht ihr eure Witze über das Laminieren und das Ausschneiden – aber umgekehrt lachen wir über eure Arroganz, über die leider viel zu weit verbreitete pädagogische Unfähigkeit, die nicht vorhandene Empathie und letzten Endes die absolute Ignoranz dessen, was die Kinder mitbringen, was sie können, was sie schon geleistet haben, wo Stärken und wo Schwächen sind und wo man ansetzen muss bzw. warum es manchmal sinnvoll sein kann, dass ein Kind trotz schlechter Noten versetzt wird.

Wenn Du bis hier hin aufmerksam warst, hast Du es eh gemerkt: Ja, ich lasse das linkssockige Gedankengut der Gesamtschule nicht los. Sie ist und bleibt für mich das einzige dem Kinde gemäßen Modell.

Ich bin noch ein wenig mehr Ketzer: Vor die Gesamtschule setze ich noch die sechsjährige Grundschule. Das käme auch euch zugute …

Meine Prämisse im Unterricht ist und bleibt: Unterrichte jedes Kind so, wie Du Dein Kind unterrichtet wissen willst. Und wenn Deine Tochter nur eine kleine Lese-Rechtschreibschwäche hätte – was dann? Nur eine Lese-Rechtschreibschwäche – ansonsten nachvollzieh- und messbare Intelligenz. In Mathematik (kein Wunder bei der Mutter) sogar eher überdurchschnittlich. Und nun? Zementfünf in Deutsch. Geographie zwischen vier und fünf, Englisch zwischen vier und fünf, weil der Englischkollege die LRS einfach ignoriert …

Vielleicht machen wir schon zu lange Zeit den gleichen Fehler, dass wir in der Grundschule ausprobieren, evaluieren, umstellen, neu strukturieren, uns an anderen Ländern orientieren und in Bewegung bleiben.

Vielleicht wäre es sinnvoll, andersrum zu denken. Die Treppe muss von oben gekehrt werden – und vielleicht sollten wir das auch mal probieren.

In alter Freundschaft,

der Mischl, der weiß, dass Du einer von den Guten bist 😉