Techniken der Erarbeitungsphase
Von der Kunst des Vortragens
0Von der Kunst des Vortragens
Irgendwie ist da schon ein wenig Wehmut mit bei, wenn man heutzutage einen Vortrag mit Overheadfolien als “oldschool” bezeichnet. Nichtsdestotrotz lernt man in Prof. Schulz von Thuns Abschiedsvorlesung “… was ich noch zu sagen hätte”, wie ein guter Vortrag ohne Übergänge, ohne vielfarbige Folien, ohne Geräusche und die obligatorische Fernbedienung funktioniert – und dies auf allerhöchstem Niveau!
Begeisterungsfähigkeit, Gehaltsfülle gepaart mit höchstem Unterhaltungswert sind mitunter Dinge, die man, so man darauf einen Wert legt, lernen könnte – in diesem Fall ist es allerdings Wesen.
Was diesen Vortrag, die Art zu erklären, zu unterhalten, zu berichten und dabei gleichzeitig zu reflektieren auszeichnet, ist m.E. mehr als Technik, mehr als der Verzicht auf Multimediapräsentation und großes Blendwerk: Es war ein unglaublich bereichernder Bericht aus einem Teil der Arbeit eines Menschens, bei dem immer wieder der Tenor zu hören ist: Liebe zum Menschen.
Dieser Vortrag ist ein Lehrstück für jeden Menschen, der in der Lehre tätig ist und ein Wegweiser für jeden Lehrenden, seine Zielgruppe derart zu erreichen, dass man vielleicht den Hauptsinn des Lebens anpeilt, nämlich etwas weiter zu geben, was sich dann entwickeln möge, um dann im besten Fall weitergegeben zu werden.
Die “gesunde” Inszenierung
0Die „gesunde Inszenierung“
Im Lehrervortrag, in der Gesprächsführung, beim Disziplinieren oder Loben sollten Lehrer ein großes Repertoire an Mimiken, Gestiken und Inszenierungstechniken einfließen lassen.
„Zwischen der Verbal- und der Körpersprache herrschen komplexe Wechselwirkungen. Die Körpersprache wird insbesondere zur Regelung der Beziehungsstrukturen und zur Prozesssteuerung des Unterrichts eingesetzt, während die Verbalsprache primär der inhaltlichen Gestaltung des Unterrichtsprozesses dient, aber auch selbstverständlich auch prozessbezogene und auf die Beziehungsstruktur gerichtete Botschaften enthalten kann.“ (Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden II, S. 386)
Begeisterung muss sich sehen lassen können!
Die gerunzelte Augenbraue kann Impuls genug dafür sein, dass es gerade zu laut ist; Schüler, die einen „Gedankenhänger“ haben, können mit aufmunternden Blicken und Gesten ermutigt werden, weiterzumachen; nonverbale Impulse funktionieren nur über Mimik und Gestik – diese Technik gilt es bis ins Detail auszufeilen. Sie leistet mehr als tausend Worte und schont die Stimme …
Eine kleine Selbstanalyse der Körpersprache (einfach sich selbst im Unterricht beobachten) führt zur besseren Kontrolle bzw. zum wohlüberlegten und bestimmten Einsetzen.
Das fängt mit dem „mit verschränkten Armen vor der Klasse stehen“ an (meist wenn man sich leicht in die Ecke gedrängt fühlt, weil die erwartete Antwort einfach nicht kommt) und hört mit weit geöffneten Armen und glückseligem Lächeln gen Himmel (weil die Antwort dann doch noch kam) noch lange nicht auf. Dort wo Unterricht handlungsorientiert und selbstgesteuert angestrebt wird, bedarf es auch eines gewissen Motors, der – vielleicht auch subtil manipulierend – Denkprozesse „in Gang“ setzen kann, der „bewegt“.
Gleiches gilt für die „gesunde Inszenierung“. Im Theater soll immer wieder bewegt werden; man kennt das Phänomen der Hörenden in Bezug auf die Okulomotorik (Bewegung der Augen). Durch Stimulation derselben wird Konzentration gefördert. Künstler kennen dies: Man bewegt sich auf der Bühne, geht vor, zurück, zur Seite usw. Diese Technik sollte auch im Unterricht Verwendung finden!
Ein Lehrer, welcher 45 Minuten vor der Tafel steht wirkt in gewisser Weise unmotivierend. Bewegt man sich allerdings durch den Raum, und wechselt „sichtbar“ den „Standpunkt“, fällt es den Schüler leichter, zu „folgen“ (eben durch die Okulomotorik).
Die Überlegung, von welcher Stelle aus man was sagt ist genauso von Bedeutung wie die Frage, an welche Stelle man was auf die Tafel zur Erstellung eines Tafelbildes schreibt.
Von daher kann der Klassensaal als Spielfläche betrachtet werden, auf welcher man versuchen soll, sein Publikum zu begeistern. Doch Vorsicht: Dies ist ein schwarzes Schaf der Pädagogik … „Wir sind Lehrer und keine Entertainer …“ Deshalb ist es vielleicht sinnvoller, das Ganze als eine Art „gesunde Inszenierung“ zu betrachten, bei der nicht primär das „Entertainment“ perfektioniert sondern vielmehr die Fähigkeit, andere zu begeistern ausgebaut werden soll.
In der Softwareindustrie hat sich der Begriff des „Edutainment“ herauskristallisiert; ein Neologismus aus „Education“ (Bildung) und „Entertainment“ (Unterhaltung). Vielleicht liegt hier die Wahrheit (in Verbindung mit Paracelsus` Hinweis auf die Tatsache, dass alles Gift sei, nur auf die Dosis käme es an) vieler erfolgreicher Lehrer, Dozenten und Referenten begründet:
Im angemessenen Zusammenspiel von Lehren und einem Gespür für ein gesundes Maß an Unterhaltung.
Wegweisend ist hier stets die „persönliche Handschrift“. Ein Zuhörer bzw. –schauer merkt sofort, wenn die Inszenierung nicht „organisch“ ist. Es ist natürlich, dass man anfangs versucht, einen gesehen Stil zu kopieren, dass man sich orientiert. Allerdings sollte das Finden des eigenen Weges, des persönlichen, vielleicht auch in gewisser Weise unnachahmlichen Stiles stets Priorität haben.
Bei den Indianern heißt es:
„Wenn du stets versuchst, in die Fußstapfen eines anderen zu treten, wirst du keine Spuren hinterlassen …“
Andere Techniken
0Weitere Techniken
Das Vormachen/Vorführen/Vortragen
Eine Technik, die dem Musiklehrer von „Natur aus“ liegt.
Trotzdem soll auch dies perfektioniert werden. Der „saubere“ Gesangsvortrag des Lehrers animiert die Schüler, diesen, so gut es geht, zu imitieren.
Die Gesangsqualität einer Klasse wird maßgeblich durch das Vorbild des Lehrers bestimmt. Gleiches gilt für rhythmisches Gespür und generelles Gefühl für „ästhetische Dimensionen“. Schüler wollen sich orientieren.
Ein vom Lehrer liebevoll behandeltes und gepflegtes Instrument wird von den Schülern auf die gleiche Art und Weise benutzt werden.
Zeigen/Hinweisen/Demonstrieren
Die Geige, nur im Hörbeispiel behandelt, wird immer ein leichtes Abstraktum bleiben. Visualisiert durch einen Film, wird sie den Schülern schon näher gebracht werden.
Die Kunst liegt allerdings darin, sie zu zeigen! Natürlich kann man als Musiklehrer nicht alle Instrumente besitzen; ein Rundgang auf dem Flohmarkt lohnt sich allerdings allemal …
Weiterhin hat man als Musiker immer wieder Bekannte, die bestimmte Instrumente spielen (die man sich ausleihen kann) oder welche sogar (in diesem Fall eine vollendete Form von Musikunterricht) als Experten zu Besuch kommen.
Identifizieren
Die Begeisterung oder die besondere Wertschätzung bestimmter Musik, Tänze oder Rhythmen sollte man nicht verbergen!
Oft springen diese Begeisterungsfunken über! (Allerdings darf man sich auf keinem Fall frustrieren lassen, wenn die „Ansteckung“ nicht in der gewünschten Art und Weise von statten ging …)
Beschleunigen und Verlangsamen
Entweder in der Gesprächsführung eingesetzt (manchmal muss man einen Gedankenprozess künstlich beschleunigen, manchmal muss man eine Gruppe „in Zaum halten“) oder als mediale Technik verwendet.
Weil von den Medien geprägt, neigen Schüler gerne dazu, Details zu übersehen. Eine Zeitgeisterscheinung. Hier bietet es sich oft an, gewisse Dinge im Musikunterricht nochmals zu verlangsamen.
Bei der Arbeit am PC (mit Sequenzerprogrammen) ist glücklicherweise die Möglichkeit gegeben, Musik ohne Tonhöhenverlust zu verlangsamen, um somit zu verdeutlichen.
Gleiche Experimente können durchaus über die Technik des Beschleunigens vollzogen werden.
Vergrößern und Verkleinern
Schwingungen von Saiten kann man am besten nachvollziehen, wenn man sie „überproportioniert“ darstellt (etwa an einem sehr langen Gummiband)
Ein Symphonieorchester erzeugt für Kinder ein großes Cluster. Erst durch die Verkleinerung, die systematische Zusammensetzung der einzelnen Klangkörper wird der Schüler Einblick in den Gesamtklang bekommen. Das Lebenswerk Mozarts wird für Kinder immer dann ein Abstraktum bleiben, wenn der „erwachsene“ Mozart zum Unterrichts- gegenstand wird. Den Künstler aber „verkleinert“ in den Jahren beobachtet, die der Erfahrungswelt der Kinder entspricht (etwa bis zu fünf Jahre über ihrem Alter) verdeutlicht das Genie.
Analysieren und Synthetisieren
Das Zerlegen (Analysieren) und das Zusammensetzen (Synthetisieren) gehören zu den klassischen methodischen Gestaltungsmitteln im Musikunterricht.
Sowohl im Hörbeispiel als auch in der Instrumentenkunde sollten beide Techniken zum Standardrepertoire gehören.
Ein Waldhorn oder eine Tuba, deren Rohrlänge mit einem Bindfaden nachgemessen wird sorgt immer wieder für Erstaunen (auch bei Erwachsenen).
Montieren
Diese Technik bietet sich bei aller Arbeit mit Musik am Computer an. Man kann Sequenzen neu zusammenstellen, den Sinn von Pausen erkennen, neue Musik schaffen…
Künstlerische Montagemöglichkeiten finden sich weiterhin beim Gestalten von Hörspielen, Klanggeschichten, Radioprojekten usw.
Abstrahieren und Konkretisieren
Induktiv: (vom Einzelnen zum Allgemeinen) Dieses Verfahren bietet sich immer dann an, wenn aus dem konkreten Beispiel ein größerer Sinnzusammenhang abstrahiert werden kann. (z.B. Funktionsweise von Blech- und Holzblasinstrumenten, musikalische Formprinzipien, Stimmbildungsübungen an einem Lied usw.)
Deduktiv: (vom Allgemeinen zum Einzelnen) Dieses Verfahren hat seine Berechtigung im Unterrichtseinstieg, bei der Frage, wie die E-Gitarre denn „wirklich“ funktioniert, beim genaueren „Hinhören“ usw.
Kontrastieren und Vergleichen
Anwendbar etwa beim Erarbeiten musikalischer Parameter, Klangfarben, in der Rhythmuslehre, in der Dynamik, der Formbildung, Tonsystemen usw.
Tafelbilder/Präsentationen und Hefteintrag/Portfolio
Ob man sich für die Präsentation via Overhead, Video-Beamer oder Tafel entscheidet, die Präsentation sollte nach Möglichkeit vor den Augen der Schüler „entstehen“. Somit kann der Text bzw. das Bild schrittweise entfaltet werden. Der Vorteil der Tafel liegt darin, dass hier evtl. variiert bzw. korrigiert werden kann. Weiterhin können Beiträge besser integriert werden.
Ein Tafelbild (um sich auf einen Namen festzulegen) sollte für alle Schüler gleich gut zu lesen sein. Es sollte weiterhin zuhause vorskizziert werden, um das bekannte „Schlachtfeld“ zu verhindern.
Die Qualität eines solchen Bildes ist maßgeblich für die Qualität des Hefteintrages! Dort wo ein Lehrer eine gewisse ästhetische Dimension „vorlebt“ werden auch viele Schüler versuchen wollen, dies zu kopieren bzw. sich anzueignen.
Weitere Gesprächsformen
0Gesprächsformen
Die gut gestellte Lehrerimpuls ist ein wichtiges Instrument „zur Steuerung der Aufmerksamkeit der Schüler, zur Weckung von Problembewusstsein, zur Disziplinierung, Überprüfung und Ergebnissicherung“. (Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden II, S. 206)
Die Aufgabe des Lehrers besteht also darin, das Fragen gezielt zu dosieren und die eigenen Fragetechniken zu verbessern.
Fragen erfüllen meist folgende Funktionen:
- um zu Beginn eines neuen Unterrichtsschrittes die Vorkenntnisse zu ermitteln
- um die Aufmerksamkeit zu wecken
- um die Schüler zum Nachdenken zu provozieren
- um zu disziplinieren. (meist in Frageform verkleidete Appelle, Belobigungen oder Tadel)
Neben dem bereits erwähnten stummen Impuls bieten sich außerdem folgende Techniken an:
Der gesprochene Impuls
Dieser ist wesentlich offener als die Lehrerfrage („In welche Stimmung versetzt diese Musik den Zuhörer“ lässt weniger Äußerungen zu als der Impuls „Versucht doch einmal, der Musik eine Überschrift zu geben“ mit anschließendem Begründungsversuch.
Hierzu zählen auch Provokationen, Gegenthesen oder Verfremdungen.
Das (vermeintlich) gelenkte Unterrichtsgespräch
Gelenktes Unterrichtsgespräch ist dann falsch am Platz, wenn es aus einer Kette von Wissensfragen, Suggestivfragen, Echofragen oder dem „Bohren nach Ergebnissen“ besteht. Trotzdem hat diese Form ihre Berechtigung im Unterricht.
Allerdings ist ein gründliches und dauerhaftes Lernen im gelenkten Gespräch nahezu unmöglich, da es „sehr schwer ist, die (…) vermittelten Unterrichtsinhalte emotional positiv zu besetzen. Gerade das, was im gelenkten Gespräch erarbeitet worden ist, wird von den Schülern auch besonders schnell wieder vergessen.“(Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden II, S. 287)
Ein sinnvolles gelenktes Gespräch ist auf günstige Umstände angewiesen – es sollte sich aus einer Art Projektidee entwickeln.
Somit hat diese Form der Gesprächsführung immer den Charakter einer Mogelpackung: Die Fragen der Schüler entwickeln sich nicht aus deren Denkstrukturen sondern werden vielmehr vom Lehrer manipulierend entwickelt. Das gelenkte Gespräch wird dazu benutzt, den Denkprozess der Schüler zu steuern, d.h. sie müssen so lange an einer Frage „herumknabbern, bis ihnen der Lehrer signalisiert, dass sie eine akzeptable Antwort genannt haben oder zumindest in die richtige Richtung weiter raten.” (Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden II, S. 286)
Nicht der Forschungsdrang der Schüler steht im Vordergrund sondern der Wunsch des Lehrers etwas zu vermitteln durch den (meist) krampfhaften Versuch, mit einer Kette von Fragen und Impulsen Lernatmosphäre zu erzeugen. Diese Methode ist nicht handlungsorientiert sondern beschränkt sich auf Fragen und erzwungenen Antworten.
Anstelle dieser Methode bieten sich die unten aufgezählten Varianten an, vor dem Hintergrund des bereits erwähnten:
Mehr sagen – weniger fragen! Mehr zeigen und vormachen – weniger bereden und problematisieren!
Das Lehrgespräch
Hier hat sich ein „Dreischritt“ bewährt:
- Der Gesprächsgegenstand wird bestimmt
Hierzu soll der Lehrer deutliche thematische Vorgaben machen bzw. die Vorschläge der Schüler bestätigt werden:
- Der Lehrer stellt eine Frage
- Er formuliert ein Problem oder eine Aufgabe
- Er fordert auf, einen Gegenstand zu beschreiben usw.
- Das Gespräch nimmt seinen Lauf
- Die Vorkenntnisse der Schüler werden eingebracht
- Problemformulierungen werden überarbeitet bzw. Lösungen werden bedacht
- Alternativen werden diskutiert
- Sachinformationen werden bei Bedarf vom Lehrer gegeben
- Die Gesprächsergebnisse werden zusammengefasst, gesichert und vertieft
- Bevorzugte Lösungen werden markiert
- Konsens wird festgestellt bzw. Dissens bestätigt
- Konsequenzen werden durchdacht
Das Schülergespräch
Hier organisiert der Lehrer die Lernsituation und nicht den inhaltlichen Verlauf. Er bemüht sich, nur wenige (verbale oder nonverbale) Impulse zu setzen, verzichtet auf Bewertungen, vermeidet die sprachliche Korrektur und agiert quasi als Moderator bzw. Spielleiter, der die Ergebnissicherung (an der Tafel, auf dem Papier) übernimmt, ohne dabei die Gruppe zu stören.
Hierzu wird:
- der Gesprächsanlass und –gegenstand fixiert
- subjektive Erfahrungen werden bewusst gemacht und besprochen (etwa durch brain-storming)
- die Erfahrungen werden bearbeitet (durch Vergleich mit anderen Erfahrungen)
- die im Klassenverband verarbeiteten Erfahrungen werden auf die eigenen Einstellungen, Haltungen und Erwartungen zurück bezogen (durch Erproben neu gewonnener Einsichten und Erkenntnisse)
Generell besteht die Aufgabe des Lehrers in jedweder Gesprächsform darin,
- Interesse zu wecken
- vorzumachen bzw. zu erklären und
- Gesprächssituationen zu moderieren
Brainstorming
0Technik „Brain-Storming“
Die Frage an sich stellt „das fragwürdigste Mittel“ des Lehrers dar.
(Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden II, S. 205)
- Wenn der Lehrer fragt, so ist es der Lehrer und nicht der Schüler,der das Problem aufstellt.
- Der Antrieb zur Denkarbeit geht bei der Frage vom Lehrer und nicht vom Schüler aus.
- Die Frage zwingt den Schüler in eine bestimmte Denkrichtung und nimmt ihm so die Freiheit der geistigen Bewegung.
- Die Frage ist nach einer bekannten, allerdings nicht eben erfreulichen Begriffsbestimmung ein unvollständiges Urteil mit der Forderung, das absichtlich noch unbestimmt Gelassene zu bestimmen. (…)
- Die Frage ist ein zu starker Denkreiz, der gegen die Denkreize, die in dem Unterrichtsstoff selbst liegen, leicht abstumpft.
- Die Frage des Lehrers erstickt den Fragetrieb des Schülers, einen der wertvollsten Triebe des jugendlichen Intellekts, und schädigt so eine der wertvollsten lebendigen Kräfte des Geistes.
- Die Frageform ist eine künstliche Form der Erregung geistiger Energie; eine Schulform, die das Leben so gut wie gar nicht kennt.
Was in der Erwachsenenbildung (und vor allem in der Managerschulung) große Zustimmung findet, steht im alltäglichen Unterricht oft noch etwas hinten an:
Der Lehrende arbeitet im Hintergrund als Moderator und Berater, welcher durch Impulse lenkt und verstärkt. Die Lerngruppe steht im Vordergrund und ist das eigentlich arbeitende Element.
Hierfür gibt es einige bestimmte Methoden aus der Metaplanarbeit:
- die Schüler tragen all ihre Empfindungen, Assoziationen bzw. ihr Fachwissen zusammen, d.h. die Ergebnisse werden lediglich verbal formuliert, „im Kopf behalten“ und (zunächst) nicht fixiert bzw. dann fixiert, wenn es von wichtiger Bedeutung ist (etwa an der Tafel durch den Lehrer; manche Schüler trauen sich das Anschreiben nicht und wirken dann in dieser Phase nicht mit).
- die Schüler erhalten verschiedene Kärtchen, welche sie beschriften.
- die Ergebnisse werden vorgelesen und an der Tafel angebracht und anschließend ausgewertet. Hiernach bietet es sich an, zu „clustern“, d.h. die Ergebnisse in bestimmten Gruppen zusammenzufassen. Dieses Clustern sollte auch in der Gruppe vollzogen werden. Ein Lehrer der mit dem Satz: „Ich ordne das mal …“ in die Clustertechnik einführen will, suggeriert seinen Schülern Unmündigkeit.
- auf einem vorbereiteten Plakat wird das für die Schüler Wesentliche (alles stehen um das Plakat herum und schreiben auf) niedergeschrieben, das Gesamtergebnis wird gut sichtbar angebracht und ausgewertet. Der Vorteil der schriftlichen Fixierung liegt darin, dass sich (meist) allen Anwesenden – auch die Stillen, die sonst nicht so aktiv mitarbeiten – die Chance anbietet, sich einzubringen. Rechtschreibkorrekturen hemmen den Fluss und sollten erst (wenn überhaupt) am Ende angebracht werden.
- bei der „Zuruftechnik“ übernimmt der Moderator die Rolle des „Fixierers“; die Schüler rufen zu, der Lehrer schreibt entweder auf bzw. heftet an. Diese Zurufe dürfen zunächst nicht bewertet bzw. diskutiert werden, wodurch verhindert werden soll, dass sich manche Teilnehmer nicht mehr trauen, aktiv mitzuarbeiten. Die Auswertung kann über das „Clustern“ oder eine „Prioritätenliste“ geschehen. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass der Denk- und Entwicklungsprozess lebendiger werden kann. Der Nachteil liegt auf der Hand: in ungeübten Klassen kann es hier sehr laut werden.
- bei der Besprechung der Ergebnisse kann die Methode des „Bewerten“ angewandt werden, in welcher alle Teilnehmer die für sie wichtigen Aspekte mit einer gewissen Punktzahl (etwa fünf zur Verfügung stehende Punkte) bewerten, wobei die Anzahl der gegebenen Punkte jedem frei steht (etwa einem Aspekt einen, einem anderen drei oder gar nur einem Aspekt fünf Punkte).
Diese Methoden sind nicht immer bzw. zwingend anzuwenden; sie haben sich vielmehr in „gewissen“ Musikstunden bewährt.

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