Liederarbeitung – entdecken lassend

Relative Solmisation in der Liederarbeitung

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Relative Solmisation in der Liederarbeitung
Über relative Solmisation habe ich bereits hier kurz berichtet. Natürlich ist es schön, wenn man in Klassen, die ins Solmisieren eingearbeitet sind, einmal an den Punkt kommt, an welchem man ein Lied quasi “von der Hand” absingen lassen kann; allerdings lässt sich bereits nach zwei oder drei Stunden ein Lied zumindest teilweise auch mittels relativer Solmisation erarbeiten.

Ich gehe i.d. Regel nach dem Handbuch der relativen Solmisation vor, das leider derzeit vergriffen ist, wobei ich oft erst im dritten Schuljahr damit beginnen kann und dementsprechend schneller voranschreite. So singe und spiele ich schon in der ersten Stunde mit “so-mi-la”.

Prädestiniert ist dann (im Idealfall in der dritten Stunde) das Lied “Wir fahren über’s weite Meer”, welches auch unter “Hallay Baloo Balay” (in allmöglichen Schreibweisen) bekannt und eine Übersetzung des Shanties ”Me Father kept a boarding house” ist. Hier lassen sich nämlich bereits im Vorfeld über kleinere Patterns mit “la-so-mi”, “la-so-la-so-mi”, “la-la-la-la-so-mi” etc. Teile des Refrains vorwegnehmen, um somit spielerisch aus den Solfèges (die im Idealfall sogar noch aus einer Stimmbildungsübung erwachsen) in ein Lied einzusteigen und somit über die Gesten, bzw. das Nachahmen von Gesten und Tonsilben zu erarbeiten.

Ein entsprechendes Notenbild mit Handzeichen habe ich hier hinterlegt.

Weitere bekannte Strophen sind u.a.

2. Vom Maste weht ein schwarzes tuch,
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
Wir sind der christlichen Seefahrt Fluch
Hallay Baloo Balay!

3. Das wilde Wasser rauscht und schäumt,
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
Manch einer von der Liebsten träumt
Hallay Baloo Balay!

4. Es heult der Sturm, es pfeift der Wind
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
und unter Deck ein Lied erklingt
Hallay Baloo Balay!

Da diese Strophen zwar geschichtlich interessant aber nur bedingt für Drittklässler geeignet sind, gehen wir dazu über, die erste und die vierte Strophe zu singen und hiernach eigene Strophe zu schreiben. Hier einige Beispiele:

Wir treiben hier auf uns’rem Boot
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
und sehnen uns nach etwas Brot
Hallay Baloo Balay!

Doch lieber hier auf See allein
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
als wieder in der Schule sein
Hallay Baloo Balay!

Der Kapitän, er leidet sehr,
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
denn er verlor seinen Teddybär
Hallay Baloo Balay!

Das Schiff fährt, bis der Mast zerbricht
Hallay Baloo Balay! Hallay Baloo Baloo Balay!
doch Hausaufgaben gibt es nicht
Hallay Baloo Balay!

 

 

 

Über Stationen (Lernzirkel)

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Über Stationen (Lernzirkel)
Die Arbeit an Stationen (auch Stationenarbeit oder Lernzirkel genannt) stellt in der Regel den größten Nutzen bei jeder Form des Lernens dar. Zwar sieht sie sich oft kritischen Anmerkungen bezüglich des Aufwandes (durchaus berechtigt) ausgesetzt, scheint allerdings (unstreitbar) eine der wenigen Lernformen zu sein, mit der es gelingt das Maximum einer Schülergruppe zu erreichen.

Mithilfe dieser Arbeitsform ist es möglich, mehrere Aspekte der Liederarbeitung zu einer Einheit zu verschmelzen.

Oftmals verschließt eine gewisse „Raumpanik“ („Wie soll ich das denn in meinem kleinen Musiksaal schaffen?“) und die Angst, Lärm auf dem Flur zu veranstalten, Türen, die eigentlich geöffnet sind …

Mithilfe von einigen Kassettenrecordern oder CD-Playern (fast jeder Schüler besitzt einen Walkman, den er von Herzen gern in den Musikunterricht mitbringt, wenn er es endlich mal „darf“ …) lassen sich nahezu alle Übungen in Kleingruppen verwirklichen.

Station 1
(Arbeit am Notenbild; Material: Liedblatt, farbige Stifte) Noten benennen, unterstreichen, kennzeichnen, gleiche Tonfolgen/Intervalle/Sequenzen heraussuchen, lange Vokale/Melismen bzw. wichtige Konsonanten kennzeichnen usw.

Station 2
(Arbeit am Text; Material: Liedblatt, Schreibblatt, Stift, evtl. Reimlexikon) eigene Strophen erfinden, ergänzen, neuer Text schreiben, Zwischentexte schreiben usw.

Station 3
(Arbeit am Lied; Material: Liedblatt, Kassettenrecorder bzw. CD-Player, Kassette bzw. CD, evtl. Kopfhörer) Lied hören, üben (diese Station kann – je nach Lied – in Unterstationen differenziert sein, so dass an einer der Refrain, an der nächsten die Strophe(n) geübt werden)

Station 4
(Stimmbildung; Material: Übungsblatt, Kassettenrecorder bzw. CD-Player, Kassette bzw. CD, evtl. Kopfhörer) diese Station hat sich in geübten Klassen bewährt; anfangs ist es für die Schüler äußerst ungewohnt und bisweilen peinlich, so dass diese Station nur dann eingebaut werden sollte, wenn den Schülern diese Übungen bereits vertraut sind. Hier können wiederkehrenden oder ungewöhnliche Intervalle/Sequenzen separiert geübt werden, gezielte Übungen zu „Grenztönen“ gesungen oder Artikulationsübungen durchgeführt werden usw.

Station 5
(Begleitung; Material: Liedblatt, Kassettenrecorder bzw. CD-Player, Kassette bzw. CD, evtl. Kopfhörer, Instrumente) eigene Begleitung erfinden, instrumentieren, arrangieren, vorgegebene Begleitung üben und nachspielen, „freie“ (untermalende) Begleitungen erfinden usw.

Station 6
(Bodypercussion-Begleitung; Material: Liedblatt, Kassettenrecorder bzw. CD-Player, Kassette bzw. CD, evtl. Kopfhörer) Begleitung erfinden

Station 7
(Bewegungsstation; Material: Liedblatt, Kassettenrecorder bzw. CD-Player, Kassette bzw. CD, evtl. Kopfhörer) Bewegungen erfinden, ein „Bewegungslied arrangieren“, kleine Choreographie entwickeln usw.

Weiterhin ist es möglich – gerade im Primarbereich – fächerübergreifende Bezüge herzustellen, indem etwa Plakate oder Kulissen (für die Präsentation vor der Parallelklasse, am Elternabend, der Schulfeier etc.) entworfen, Collagen oder Bilder erstellt, Requisiten gebaut werden usw. Dieser Aspekt sieht sich dann der Kritik des „Aktionismus“ ausgesetzt, wenn er sich losgelöst vom „Ganzen“ darstellt. Zielgerichtet und unter fächerübergreifendem Aspekt stellt er allerdings eine Bereicherung und einen Motor zum ganzheitlichen Lernen dar.

Über Einsing- und Stimmbildungsübungen

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Über Einsing- und Stimmbildungsübungen
Stimmbildung ist dann am sinnvollsten, wenn sie vom Werk ausgehend bzw. auf das Werk zielend gestaltet wird. Hierbei ist zu beachten, dass die Ziele nicht zu hoch angesetzt werden.

Die geplanten Übungen sollten nach Möglichkeit an kurze Phrase der Liedmelodie angelehnt, aus ihr entnommen oder sukzessive darauf hinzielend gestaltet werden. Somit können dann etwa schwierige Intervalle separiert, besondere Rhythmen oder Melismen gesondert und Aspekte wie Intonation oder Artikulation „nebenbei“ geübt werden.

Solche Übungen können darüber hinaus sinnvoll durch relative Solmisation und Bewegungen ergänzt werden. Generell sollte eine Liederarbeitung so oft wie möglich (doch nicht öfter als nötig) unter stimmbildnerischen Aspekt gestaltet werden.

Dieser Aspekt als zentrales Thema der Liederarbeitung bietet sich vor allem bei Liedern mit

- wiederkehrenden Intervallen
- ungewöhnlichen Intervallen
- wiederkehrenden Sequenzen
- „Grenztönen“ (sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe)
- Melismen
- Schwerpunkt auf langer Vokalbildung
- rhythmisch-betonter Artikulation

an. Hiervon ausgehend kann ein Schwerpunkt der Liederarbeitung gewählt werden, dessen Feinheiten im Laufe der Stimmbildungsübungen „separiert“ werden, so dass das anschließende Liedsingen auf geübtem (und somit bekanntem) Tonmaterial aufbaut.

Der „methodische Kniff“ beruht auf der Tatsache, dass etwaige Schwierigkeiten, die im Verlauf einer „herkömmlichen“ Liederarbeitung auftreten können, spielerisch vorweg genommen und auf diese Weise im Vorfeld geübt werden, ohne dass die Schüler ein Problem als solches wahrnehmen sondern vielmehr über das Singen auf Tonsilben eine gewisse Routine entwickeln.

Diese Stimmbildungsübungen dürfen allerdings nicht den Charakter einer solchen haben. Vielmehr sollte darüber gewacht werden, dass dem spielerischen Element größtmöglichen Raum geboten und das „Spiel mit Stimme“ Prämisse hat und somit ermöglicht wird.

Über graphische Notation

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Über graphische Notation
Eine weitere Art der Liederarbeitung zielt auf die Kreativität der Schüler und im weiteren Sinne auf die Anbahnung des „Vom-Blatt-Singens“.

graphische_notation_1Im Primarbereich arbeitet man bei Klanggeschichten, Hörbeispielen etc. gerne mit vereinfachten Formen der graphischen Notation. In der Regel geschieht dies so, dass einem Klangereignis ein gewisses Bild bzw. einem Melodieverlauf eine Bildfolge zugeordnet wird. Somit wird „Gehörtes“ bzw. „Gesungenes oder Gespieltes“ in eine freie Form der Notation umgesetzt. Die Umkehrung dieses Ablaufes, nämlich das Umsetzen eines Bildes in eine Melodie, kann eine interessante Liederarbeitung bewirken.

Ausgehend von einem „eindeutigen Liedbild“ (nicht alle Lieder sind hierfür geeignet) wird versucht, die Melodie zu erkennen.

Eine Hauptvoraussetzung hierfür ist, dass die Klasse gerne und „frei“ (d.h. sie trauen sich!) singt. Diese Form kann anfangs im Plenum (also „frontal“) später in Gruppen- bzw. Partnerarbeit durchgeführt werden und es ist sehr interessant, zu welchen Ergebnissen die Schüler kommen, da sie sich oft sehr ähneln bzw. nahezu identisch sind. In der Regel sind Schüler recht früh in der Lage, ihnen „vom Hörensagen“ bekannte Lieder „vom Blatt“ zu singen.

graphische_notation_2Die Wahl der graphischen Darstellung kann hier frei gewählt werden. Wichtig ist lediglich, dass das Repertoire an graphischen Symbolen aufeinander aufbaut und sich ergänzt bzw. im Laufe der Zeit differenziert wird. Darüber hinaus kann diese Form anfangs durch Piktogramme ergänzt werden, so dass zunächst nur bestimmte Notenwerte eingeführt und im Laufe der Zeit erweitert werden.

Hiervon ausgehend kann dann im Laufe der Zeit die graphische Notation durch traditionelle ersetzt werden, so dass sich der Übergang fließend gestaltet. Ein solches „Reizbild“ ermuntert stets zum Überlegen, Vermuten und Experimentieren.

graphische_notation_3Um das von Jugendlichen oft als „kindliches Element“ Empfundene dieser Form für die höheren Stufen zu entfernen, bietet es sich hier an, über den „Key-Editor“ von sog. Sequenzer-programmen eine ähnliche Form der graphischen Notation darzustellen. Zwar ist diese Form absolut identisch mit der vorherigen, allerdings stellt sie einen äußerst großen Motivationsfaktor dar, welcher das Interesse älterer Schüler weckt.

Über Bewegung

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Über Bewegung
Generell sollte – vor allem im Primarbereich – der Bewegung soviel Stel-lenwert wie möglich beigemessen werden, da hierüber ein ganzheitlicher Zugang ermöglicht werden kann.

Jede Form von Bewegung wirkt „dem natürlichen Bewegungsdrang“ entgegen, vorausgesetzt sie geschieht „aktiv“, d.h. überlegt und zielgerichtet und nicht „aktionistisch“, d.h. Bewegungen um der Bewegung Willen.

Bewegungslieder sind den Schülern noch aus dem Elementarbereich bekannt. Der Schwerpunkt des Spieles mit „Hand und Fuß“ liegt hier – neben dem Ziel, Freude an Bewegungen jeder Art zu entwickeln – vor allem in der Textverankerung.

Ausgehend von den verschiedenen Lerntypen ist davon auszugehen, dass jeder Mensch über „verschiedene Kanäle“ lernt. Natürlich ist es nahezu unmöglich, alle Lerntypen zu erreichen; vielmehr sollte das Ziel „so viele Lerntypen wie möglich zu erreichen“ angebahnt werden.

Ein Lied, bei welchem gewisse Wörter oder Textpassagen mit entsprech-enden Bewegungen unterlegt wird, ist einfacher zu erlernen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass „zwingend“ jedes Wort auch gestikuliert wird. Vielmehr sollte man hier auf den gesunden Wechsel zwischen „aufdringend“ und „reduzierbar“ achten; so muss beispielsweise die Textpassage „Ein Jäger längs dem Weiher ging … lauf, Jäger, lauf“ nicht mit Gewehrimitation, Schwimmbewegung, Geh- und Rennbewegung untermalt werden. Vielmehr ist es sinnvoll, darauf zu achten, den Kern jeder Sequenz nach Möglichkeit in „einem“ Bewegungsbild darzustellen.

Hiervon ausgehend sollte weiterhin beachtet werden, dass ein gewisser „stimmiger Fluss“ an Bewegungen vorherrscht. Die Bewegungen sollten aufeinander abgestimmt werden bzw. sinnvoll aufeinander aufbauen und dem Spannungsverlaufes bzw. Handlungsablaufes des Liedes entsprechen. Generell sollten die Bewegungsformen „ergänzend“ wirken und somit eine Art „Begleitung“ darstellen.

Bewegungen sollten sich darüber hinaus nicht nur auf die Armen und Hände begrenzen. Oft bietet es sich an, Abläufe mit „kleinen Choreographien“ zu gestalten, um dem ganzheitlichen Aspekt so nahe wie möglich zu kommen. Dies bedeutet nicht, dass auf „Biegen und Brechen“ ein Tanz erstellt wird; vielmehr sollte das Bewusstsein erweitert werden, wann sich eine größere Bewegung (etwa mit Schritt- bzw. Bewegungsfolgen) aufdrängt und wann sie künstlich und aufgesetzt wirkt.

Mit steigendem Alter der Schüler sollte auf einen gewisse „Rhythmus“ der Bewegung (es sollte „in time“ geschehen) geachtet werden. Vom gewohnten Bewegungslied ausgehend gestaltet sich der Übergang zur Bodypercussion nahezu fließend, da den Schülern diese Form vertraut ist, sie auf dem Erfahrungsschatz aufbaut und ihn ergänzt.

Bei manchen Liedern bietet es sich an, den Einstieg „rein“ über die Beweg-ungen zu gestalten. Sind diese relativ rhythmisch, kann anschließend mit einem Playback oder Halbplayback gearbeitet und der Text suggestiv „nebenbei“ zunächst sprechend erarbeitet werden, dem sich das Singen der Melodie anschließt.

Die Reihenfolge hängt vom Liedtyp ab. Zur Übung bzw. Festigung bieten sich (äußerst beliebte) Spielvarianten an, die entsprechend differenziert werden können:

- Das Lied wird nicht gesungen sondern rein „bewegt“

- Nur bestimmte Sequenzen werden gesungen; während der anderen werden Bewegungen ausgeführt

- Nur der Anfang, die Mitte und/oder der Schluss gesungen, die Bewegungen aber werden gleichzeitig und –mäßig („in time“) durchgeführt

- In Gruppen aufteilen; jede Gruppe erhält eine eigene Bewegungssequenz

- Das Lied „von hinten nach vorne bewegen“

- Eigene Bewegungen erfinden (kann Teil einer Stationenarbeit sein)

- Eine Verbindung zur (eigenen oder bekannten) relativen Solmisation entwickeln

- Mit „Bodypercussion“ begleiten

- Mehrstimmige „Bodypercussion“ anbahnen

Dennoch gibt es Lieder, deren Schwerpunkt schlicht und ergreifend auf dem körperlichen Spiel und der Freude, sich zu bewegen liegt. Auch diese Lieder haben durchaus einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert und bilden einen wichtigen Aspekt im schülerzentrierten Unterricht.

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