Bodypercussion

Bodypercussion
Über den Beginn des Musizierens mit Körperinstrumenten zu philosophieren ist nahezu müßig; Menschen haben recht früh versucht, mit Geräuschen ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und angeblich – so einige Autoren – liegt der Ursprung bei den Schimpansen …

Körperpercussion als virtuose Fußtechnik mit einer entsprechenden Klangdifferenzierung findet sich in vielen Variationen auf der ganzen Welt. So gibt es das „Clogging“ in Irland und Kanada, in den USA das „Appalachian-Clogging“ und den „Jazz-Tap“, im spanischen Flamenco den „Zapateado“ (ein spanischer Flamenco-Tanz für einen Solotänzer, welcher meist ohne Musik dargeboten und nur mit Händeklatschen und Aufstampfen begleitet wird), „Khatak“ in Indien, „Gum-Boot“-Tänze in Südafrika.

Weiterhin gibt es im niederländischen und norddeutschen Raum viele Holzschuhtänze (die Schuhe werden Clogs bzw. Hölzckens genannt), ebenso auch in Cuba den „baile de la chancleta“ (Tanz mit Holzschuhen), der ohne Musik und nur auf den improvisierten Rhythmen der Füße getanzt wird.

Darüber hinaus kennt man in Deutschland den Schuhplattler.

Unter Body-Percussion versteht man das Musizieren mit dem Körper als (Begleit-) Instrument, wobei die Stimme an sich hierbei im Hintergrund steht. Musizieren mit dem Körper lässt sich grob in drei Bereiche einteilen; das Hauptaugenmerk liegt auf dem Erzeugen von Geräuschen.

Fuß
Die Bewegung der Beine ist in der Regel gleichmäßig und verkörpern somit das musikalische Grundelement „Metrum“ bzw. „Groove“ oder auch „Puls“ Taktmäßiges rhythmisches Stampfen gehört bei jedweder Art von Naturvölkern als wesentliches Element zum Tanz.

Für die praktische Arbeit mit Body-Percussion ist hierbei der Aspekt des Bodens wichtig.

Ob das Stampfen auch klingt, hängt maßgeblich vom Untergrund ab. Holzböden (und evtl. auch Kunststoffböden) ergeben einen guten Resonanzklang, während Teppichböden oder gar ein Betongrund keinen befriedigenden Klang ergeben (sie „grooven“ nicht) und im letzteren Fall auch für die Gelenke bedenklich sind.

Der nächste Schritt zur klanglichen Differenzierung der Fußaktionen ist das Tragen von Schuhen. Sie erzeugen schlurfende, tapsige oder prasselnde Hacken-, Ballen- und Spitzengeräusche.

Um den Sound „auf die Spitze zu treiben“, kann man – vom Stepptanz lernend – an den Schuhen große Unterlegscheiben (gibt es im Baumarkt) mit Gummibändern befestigen. Dies ergibt einen schönen „klackernden“ Sound.

Anstatt ein Lied klatschend zu begleiten, kann man auch einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – mitgehen, d. h. die Stimmung einer Melodie oder eines Textes mit verschiedenen „Fußklängen“ begleiten und somit ein Lied quasi „ertanzen“.

Die praktische Fußarbeit kann man mit einer Art „Spaziergang“ (nach Möglichkeit auf möglichst klingendem Boden) beginnen.

Zuerst können verschiedene Geh-Möglichkeiten ausprobiert werden, indem man den Fuß aufsetzt und hierbei unterschiedlichste Klänge zu erzeugen versucht. Durch das „Gehen“ werden alle Fußaktionen zu Schritten mit Gehbelastung.

Die verschiedenen Schrittfiguren sind maßgeblich für den „groove“:

– normaler Schritt
– energischer Stampfschritt (wie Soldaten)
– mit dem ganzen Fuß schlurfen (wie dicke Bären)
– auf dem Ballen gehen (für machen Schüler sehr schwierig)
– auf den Fersen gehen (dto.)
– auf den Zehenspitzen gehen (wie eine Ballerina)
– schnelles Abrollen von der Ferse zum Ballen
– schnelles Abrollen vom Ballen zur Ferse (so dass sich nach dem „Tock“ durch die Ballen ein „Wischsound“ ergibt)

Hand
Die Hand ist mit Sicherheit das wohl am weitesten verbreitete Instrument auf dieser Welt. In Personalunion von Musiker und Tänzer übernehmen die Füße den Part der rhythmisch–tänzerischen Bewegung, die Stimme gestaltet die melodische Linie, während die Hände noch frei sind zur perkussiven Begleitung.

Dem dumpfen Sound des Stampfens steht der heller klatschende Laut des Körpers gegenüber, den die eigenen Hände schlagen: Oberarm, Flanken, Bauch, Gesäß und Schenkel werden zu Musikinstrumenten.

Das Flachhandklatschen: Die Finger der Schlag-Hand werden geschlossen und gerade gehalten (und hierbei nicht überstreckt); die Fingerfläche bedeckt beim Schlag genau den Handteller der „Instrument-Hand“, wobei ein kleiner Hohlraum eingeschlossen wird; bei guter Ausführung ergibt sich (ohne großen Kraftaufwand) ein sehr knackiger Sound.

Das Hohlhandklatschen: Beide Handteller bilden beim Klatscher einen geschlossenen Hohlraum; es entsteht ein dumpfer Bass-Schlag.

Das Rückhandklatschen: Die Schlag-Hand spielt mit dem Handrücken in die Handfläche der anderen Hand; es entsteht kein Hohlraum, der Klang ist etwas dünner und sehr hell. Der Juba-Schlag (vermutlich aus den USA stammend und eine Sonderform des Rückhandklatschens) ist besonders für schnelle rhythmische Begleitung geeignet. Er wird im Sitzen gespielt. Eine Hand wird im Abstand von etwa 20 – 30 cm über dem Oberschenkel mit der Handfläche nach unten gehalten, während sich die andere („Spiel“-) Hand zwischen Bein und der oberen Hand hin und her bewegt. Eine Achtelbewegung wird hiermit wesenlicht einfacher, rhythmisch-präziser und „grooviger“.

Das Brunnenklatschen: Die „Instrumenten-Hand“ bildet einen „Brunnen“ (wie beim Schnipp-Schnapp-Schnupp-Spiel) während die „Schlaghand“ auf diesen Hohlkörper schlägt; es ergibt sich ein „Popp-Klang“.

Das Patschen: Patschen meint jede Art von Schlag mit der flachen Hand auf den Körper. Eine Differenzierung des Klanges ergibt sich durch das Spiel auf verschiedene Körperpartien; alle Partien des Körpers können „bepatscht“ werden:

– im Gesicht Wangen und Stirn
– auf die Brust (im obereren Bereich; Schlüsselbein-Nähe)
– auf die (unbekleideten) Arme
– auf die Bauchpartie
– auf die Hüften
– auf den Po
– auf die Ober- und Unterschenkel (be- und unbekleidet)
– auf die (nackten) Fußsohlen (wie beim Schuhplattler)
– auf die (beschuhten) Füße

Das Fingerschnipsen gilt als eigene Klanggeste. Es ist sozusagen im Gegensatz zum Klatschen der beiden Hände der Klang einer Hand. Es gibt Naturtalente für das Schnipsen, zuweilen bedarf es aber auch einiger Übung, oft spielt eine Hand leichter als die andere.

Kopf
Das Zungenschnalzen: Das Schnalzen kann klanglich beeinflusst werden, indem man die Mundöffnung in Form einer Vokalfärbung zwischen a-, e- und o-Stellung verändern. Ähnlich wie bei den Handklängen eignet sich diese Technik vor allen Dingen zu einer klanglichen Rhythmisierung eines metrischen Impulses.

Zischeln eignet sich sehr gut, um eine hi-hat nachzuahmen. Hierbei muss sich die Zunge schnell zwischen dem stimmlosen „zicke-zicke“ (geschlossene hi-hat) und dem stimmlosen „zii“ (für offene hi-hat) hin- und herbewegen.

Weiterhin lässt sich jedes stimmlose Imitieren von Percussion und Drums zu den Instrumenten der Body-Percussion hinzuzählen. (Allerdings ist es recht schwierig, die einzelnen Facetten zwischen „dwww“, „bbgg“ und „tzzrtt“ genau zu beschreiben; der Wert liegt hier im Experimentieren, Adaptieren und Imitieren)

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