Archiv für Juni, 2010

Die Stimmgabel als Hilfsmittel beim Solmisieren

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Die Stimmgabel als Hilfsmittel beim Solmisieren
Beim Umzug bin ich auf meine alte Stimmgabel aus Studienzeiten gestoßen und mir fiel ein, wie eine Anwärterin vor einiger Zeit damit ihren Musikunterricht bereicherte – ich berichtete hier davon.

In meinen Klassen, in denen ich seit mehr als neun Monaten solmisiere – wir sind mittlerweile im Fünftonraum angelangt – habe ich damit in diesen Tagen gespielt und äußerst interessante Erfahrungen gemacht.

Die Stimmgabel zum Einstimmen
Die Stimmgabel wurde herumgereicht und es wurde experimentiert (hier empfiehlt es sich, mit fünf bis zehn Gabeln zu arbeiten; eine Investition von ca. 25 Euro, die sich – strebt man stehende Übungen an – rentieren kann) und herausgefunden, was da wie schwingt und in welchem Zusammenhang steht. Beim genauen Hinschauen wurde “440 Hz” entdeckt, worauf die Erklärung (440 Schwingungen in der Sekunde) erwartungsgemäß Erstaunen auslöste. Weiterhin wurde experimentiert, auf welchen Flächen (bzw. in der Erklärung: über welchen Hohlräumen) der Klang besonders gut klingt.

Es wurde sich auf eine Anschlagsweise (Handrücken) geeinigt, um Nebengeräusche zu vermeiden. Nun sollte jeder Schüler die Gabel ans Ohr halten und den Ton hören und sich merken, ohne ihn zu summen.

Alle haben dann gemeinsam den Ton gesungen. Ein äußerst (und in verschiedenen Klassen entsprechend unterschiedliches) interessantes Ergebnis, mit dem sich dann auch facettenreich (nur Jungen, nur Mädchen, die linke Gruppe, die rechte Gruppe, laut, leise, gesummt, auf Tonsilben, auf Worte, um den Ton herumsingen und schließlich auf ihm landen usw.) spielen lässt.

Die Stimmgabel zum Liedbeginn
Hier lassen sich verschieden Varianten gestalten:
- Die Schüler halten die Stimmgabel ans Ohr und summen nach und nach den Ton mit
- Die Schüler halten die Stimmgabel ans Ohr und hören den Ton, ohne ihn zu summen und benutzen ihn als Anfangston
- Die Schüler halten die Stimmgabel ans Ohr und benutzen den Ton als Grundton, den sie mitsummen
- Die Schüler suchen vom Grundton ausgehend den Anfangston der Melodie
- usw.

Die Stimmgabel in solmisierenden Klassen
Je nach Stand der Schüler kann man hier stellenweise verblüffende Ergebnisse erzielen:
- Stimmgabelton ist “so” – das “mi” (“re”, “la”) muss gesungen werden
- Stimmgabelton ist “so” – das “mi” (“re”, “la”)muss gesungen werden, ohne “so” zu singen
- Stimmgabelton ist “mi” – das “so” muss gesungen werden
- Stimmgabelton ist “mi” – das “so” (“re”, “la”)muss gesungen werden, ohne “mi” zu singen
- Stimmgabelton ist “la” – das “so” (“mi”, “re”)muss gesungen werden, ohne “so” zu singen
- usw.

Diese Spiele sind anstrengend und man sollte sie nur anfangs nur behutsam spielen und dabei sehr viel führen und mitsingen. Im Laufe der Zeit, wenn man sie als stehende Übung in jeder Musikstunde zu Beginn der Solfèges spielt, wird es für viele Schüler immer leichter, den entsprechenden Ton zu finden.

Songs zur WM

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Songs zur WM
Mittlerweile ist er ja richtig schwer herauszufinden, der Song zur WM. Zwar gibt es nach wie vor „offizielle“, also von der FIFA in Auftrag gegebene Songs, aber im Laufe der letzten Jahre etablierten sich immer mehr die „Underdogs“, Produktionen, welche oft nur schnell aus Spaß zusammgeschaufelt wurden – meist ohne künstlerisch-musikalischen, dafür aber vermehrt mit hohen Unterhaltungsansprüchen.

Der Song zur WM wurde in Deutschland erst 1974 modern. Wahrscheinlich waren es die Engländer, die in der WM davor mit „Back Home“ den ersten Hit einer singenden Fußballnationalmannschaft in die Charts schickten (und der sich dort auch einige Tage auf Platz 1 hielt):

Hier hört man zum ersten Mal eine geklatschte rhythmische Figur, die fortan als „Soccer-Rhythmus“ sogar in die Musikgeschichte einging. In der darauf folgenden WM meldeten sich dann unsere Jungs – initiiert und tatkräftig unterstützt von Jacky White mit „Fußball ist unser Leben zu Wort.

1978 folgte Udo Jürgens mit „Buenos Dias, Argentina“.

1982 war es Michael Schanze, der mit „Olé España“ den Hit zur Nationalmannschaft lieferte:

1986 war es ausgerechnet Peter Alexander, der mit „Mexiko, mi amor“ keinen großen Glückstreffer landete:

(leider ist das Video in unglaublich schlechter Qualität – aber es ist derzeit das einzige mit allen Fußballern …) Peter Alexander setzte allerdings mit dem „Kaiser-Franz-Marsch“ noch eins drauf:

1990 verkündete wiederum Udo Jürgens mit „Wir sind schon auf dem Brenner“, wohin denn die Reise ginge:

Interessanter Weise äußerste er sich dann allerdings 2009 dahingehend, dass er kein Lied mehr für die WM schreiben werde, da seiner Meinung nach verlorene Spiele immer den Songs in die Schuhe geschrieben werden würden, was insofern merkwürdig ist, als er doch den Titel zum Titel schrieb …

1994 war es dann Berti Vogts, der ausgerechnet zusammen in „Far away in America“ mit Village People auftrat, was ihm in der latent-homophoben Fußballerextremfanwelt erhebliche Kritik einbrachte:

Die WM verlief nicht wie erhofft, Bertie Vogts wurde von den Medien mehr oder weniger aufgefordert, sofort den Posten zu räumen, Stefan Effenberg zeigte den Finger neben dem Ehering und nach dem Viertelfinale war Schluss mit der Titelverteidigung.

Die Stimmung, die sich gegen den Bundestrainer richtete griff Stefan Raab auf und stellte sie in einer Klangcollage zusammen, die er unter „Stefan Raab und die Bekloppten“ mit „Böörti Böört Vogts“ veröffentlichte. Hier findet sich eine sehr frühe Produktion eines Underdogs, die mit in die Fußballgeschichte einging. Und – allen Unkenrufen zum Trotz – besagter Trainer blieb auf seinem Posten und wurde zwei Jahre später Europameister (mit dem ersten Golden Goal) …

Ob es auf diese Erfahrungen zurückzuführen ist, lässt sich nur schwer nachvollziehen, in jedem Fall war es allerdings wiederum Berti Vogts, der für die WM 1998 anregte, eine Auftragskomposition zu bestellen, womit die Ausflüge in das Land der Chorsänger für die Nationalmannschaft beendet waren.

Der Vollständigkeit halber sei „Running with a dream“ hier erwähnt – der Titel gehört mit Sicherheit zu den unbekanntesten in der Sportwelt …

Was nicht allzu verwunderlich, wurde doch der offizielle Song der WM 1998 „La Copa De La Vida“ von Ricky Martin gesungen.

2002 wusste die FIFA dann, was gut ankommt und schickte Anastacia mit „Boom“ ins Rennen:

Spätestens seit 2006 (wahrscheinlich eher schon ein oder zwei WMs früher) wird es dann ein wenig unübersichtlich, denn:

Der offizielle FIFA-Song war tatsächlich „Time Of Our Lives“ von Il Divo.

Es gab aber auch noch Grönemeyers „Celebrate the Day“ (die englische Version von „Zeit, dass sich was dreht“):

und irgendwoher kam dann auch Bob Sinclairs „Love Generation“

Unsere Jungs hörten vor dem Spiel immer wieder „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo, so dass sich dieser Titel quasi durch die Hintertür eingeschlichen hat. Und letzten Endes kommt mit den Sportfreunden Stiller ein weiterer Underdog ins Spiel, denn „54, 74, 90, 2010“ hatte ja ursprünglich die 6 hinten …

Der offizielle Song für 2010 kommt von Shakira und Freshlyground 8und heißt „Waka Waka“:

Der von Coca-Cola heißt „Wavin‘ Flag“ und stammt aus der Feder von K‘naan:

Eine Liste der besten WM-Songs 2010 findet man hier und auch hier, viele Produktionen, die just-for-fun entstanden und nebenbei zum Erfolg wurden.

Und die Sportfreunde Stiller orakeln noch immer …

Die Vuvuzela und Musikunterricht

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Die Vuvuzela und Musikunterricht
Zur Zeit in aller Munde, kommt die Vuvuzela auch am Musikunterricht nicht vorbei. Als trompetenförmiges, bis zu einem Meter langem, meist aus Kunststoff gefertigtes Instrument, zählt sie zu den Aerophonen, genauer gesagt zu den Lippenton-Aerophonen, da die Luftsäule durch die menschlichen Lippen zum Schwingen angeregt wird, wodurch es am Ende des Rohres zur Schallerzeugung kommt.

Es handelt sich um eine sog. Naturtrompete ohne Klappen und Ventile, aus die geübte Spieler die Töne der Naturtonreihe hervorbringen können und somit müsste die Vuvuzela (wie das Didgeridoo auch) zu der irreführenden Gruppe der Blechblasinstrumente zählen.

Das Instrument kann einen Schalldruckpegel von bis zu 130 db(A) erreichen. Die Herkunft des Namens ist umstritten; in der Bantusprache isiZulu bedeutet der Begriff „Krach machen“. In Südafrika ist das Instrument seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt; im Jahr 2001 begann die systematische Herstellung und Vermarktung, wodurch sie im Laufe der Zeit zu einem Symbo südafrikanischen Fußballs wurde.

Nelson Mandela soll hunderte dieser Instrumente in Zürich bei der Vergabe der WM 2010 verteilt haben. Interessanter Weise scheint der Preis sich weltweit auf ca. 3 Euro eingependelt zu haben.

In der Kontroverse befinden sie sich seit dem Konföderations-Pokal 2009 in Südafrika. Ob sie wirklich als psychologisch-wirksames Druckmittel eingesetzt werden, ist nicht bewiesen; dass das Geräusch im Laufe eines Spieles auf die Nerven geht unumstritten. Am 18. Juni 2009 hat sich die FIFA gegen ein beantragtes Verbot der Vuvuzela bei der WM ausgesprochen.

Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Lnades Nordrhein-Westfalen sprach allerdings im Mai 2010 eine Empfehlung aus, das Instrument beim Public Viewing zu untersagen, um Gehörgefährdungen und mögliches Übertönen von Notfalldurchsagen zu verhindern.

Die staatliche Fluglinie South African Airways wies darauf hin, dass das Lärmen mit einer Vuvuzela während eines Inlandsfluges durch Südafrika gegen das Gesetz verstoße und dies durchaus mit einer bis zu sechsmonatigen Gefängnishaft bestraft werden könne.

Zu den Kritikern zählen weiterhin Fußballer und Trainer – die Kommunikation auf dem Spielfeld wird enorm eingeschränkt. In den Medien überschlagen sich anlässlich der WM 2010 die Meldungen von angeblichen Verboten über nervtötende Dröhnung bis hin zum vermeintlichen Bienenschwarm.

Mittlerweile finden sich im Internet sogar Anleitungen, wie das Geräusch maskiert bzw. gefiltert werden kann; mittlerweile wird sogar an Filtern bei der Übertragung gearbeitet.

Eine Anleitung zum selber Bauen findet sich hier; als Material werden lediglich ein runder Karton. Durchmesser ca. 10 cm ; 20cm hoch, ein zweiter runder Karton. Durchmesser ca. 5 cm ; 25 cm hoch, Panzertape / Klebeband, zwei Haushaltsgummis und Fruschhaltefolie benötigt.

… und wir hätten ja nicht 2010, wenn’s nicht mittlerweile schon die Vuvuzela für’s iPhone gäbe:

Hier kann man sie laden und natürlich kann man sie auch online spielen (bzw. blasen) lassen.
Letzten Endes darf auch folgende Empfehlung nicht außer Acht gelassen werden:
Lass die Finger von der Vuvuzela!

Und wie es sich anhört, wenn Profis damit spielen, kann man sich in diesem Video mit der WDR Big Band anhören. Wunderbar! Brahms geht übrigens genau so auf der Vuvuzela. Einen kleinen Bericht über die Herstellung kann man hier lesen.

Natürlich lässt sich mittlerweile auch ein Konzert für Vuvuzela aufführen. Mittlerweile gibt es einen sehr schönen Mitspielsatz für Vuvuzelas, die den Soccer-Rhytmus zu einer Adaption der Nationalhymne spielen. Unter o.a. Link lassen sich die dazugehörigen Files (Partitur, Halbplayback und Video) laden.

Rene Falk hat ein Vuvuzela Conerto in B Flat für 1000 Vuvuzelas geschrieben – ein äußerst überschaubares aber lautes Ouevre. Und inwiefern die Vuvuzela doch das ein oder andere Lehrerherz höher schlagen lässt, kann man hier nachschauen.

Ausgerechnet Werder Bremen wird die Vuvuzela in der Bundesliga verbieten.

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF wollen den Vuvuzela-Lärm in den Stadien bei den Live-Übertragungen von der Fußball-WM in Südafrika reduzieren. Das Erste bietet seit Mittwoch einen zusätzlichen Tonkanal an, in dem durch spezielle Techniken die Lautstärke der Vuvuzelas noch einmal deutlich gemindert ist … (mehr unter 11freunde)

Abschließend noch ein paar nette Ideen zur Vuvuzela von Trendhunter und der Ausblick auf die eventuell anstehende Ausdehnung auf andere Sportarten. Letzten Endes sinkt mit Ende der WM – wie nicht anders erwartet – die Attraktivität und somit auch der Preis der Vuvuzela.

Schließlich wurde am 1. September 2010 bekannt, dass die Vuvuzela bei den Europacup- und WM-Qualifikationsspielen fortan verboten ist, was mit Fußballkultur und Tradition in Europa begründet wurde.

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